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Interaktiv inklusiv – Taubblind ans Netz

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Kategorie
Bildung und Erziehung

Kurzbeschreibung

Gesellschaftlich marginalisierte Gruppen wie die der Taubblinden werden in Bezug auf Wissenszugänge und gesellschaftliche Teilhabe stark ausgegrenzt. Kommunikation mit der Außenwelt ist schwer möglich und erfordert die physische Anwesenheit von Personen, die bestimmter Kommunikationsformen wie z.B. des taktilen Tast-Alphabets „Lorm“ mächtig sind. Die Folge: eine Reihe sozialer Ausgrenzungserfahrungen, wie z.B. stark gefilterter Zugang zu Wissen oder erschwerte Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs.

Das partizipative, fortlaufende Projekt „Interaktiv inklusiv – Taubblind ans Netz“ (Design Research Lab; Univeristät der Künste Berlin) forscht und entwickelt gemeinsam mit primär und sekundär Betroffenen an sozio-technischen Möglichkeiten der Teilhabe taubblinder Menschen. Partnerinstitutionen sind zum Beispiel die Taubblindengruppe und die Hör-Sehbehindertengruppe des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV), das Deutsche Blindenmuseum, die Projektwerkstatt “Stadt ohne Barrieren – Stadt zum Begreifen” (TU Berlin) oder die Beratungsstelle für Taubblinde (Oberlinhaus Potsdam). In dieser Zusammenarbeit, in der die Teilnehmenden gemeinsam Forschungsfragen formulieren, Lösungsansätze entwickeln und an prototypischen Konzepten und deren Evaluierung arbeiten, entstehen mitunter sehr konkrete, für das Alltagsleben Taubblinder und ihre Angehörigen/Betreuer relevante Anwendungen in Form von assistiven Geräten. Zwei Beispiele:

Der so genannte Lorm Glove kann das Lorm Alphabet in digitalen Text übersetzen und umgekehrt. Mit Hilfe kleiner Sensoren kann der gelormte Text beispielsweise per SMS oder Email verschickt werden. Eingehende Nachrichten werden vom Handschuh mit Hilfe kleiner Motoren als Vibrationen wiedergegeben. Taubblinde Menschen können dadurch mit anderen Menschen kommunizieren, selbst wenn diese sich ganz woanders befinden.  

Mit Hilfe der so genannten LormHand können Nachrichten automatisch auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook gepostet werden. So können die Wünsche, Anliegen und Forderungen von taubblinden Menschen auch direkt übers Internet Verbreitung finden. Mit Hilfe eines Monitors haben zudem Sehende die Möglichkeit, das Lorm-Alphabet auf der LormHand auszuprobieren und zu erlernen.

Im Zuge des Projektes werden somit Zugänge zur Online-Welt möglich. Im Gegenzug erhalten „Außenstehende“Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt Taubblinder. Über Soziale Netzwerke erfolgt der Austausch mit der Netzgemeinde, angetrieben durch moderierte Diskussionen über die Forderungen, Wünsche und Bedürfnisse Taubblinder. Dokumentarisch wird das Projekt von Designabilities.org begleitet, einem Blog für Themen an der Schnittstelle zu Design, Behinderung, Technologie, Inklusion und Gesellschaft.

Angesichts einer alternden Bevölkerung verändert sich auch die Rolle von Technologiegestaltung. Wenn mehr Menschen altersbedingt mit körperlichen Einschränkungen konfrontiert werden, so erhöht sich auch das Potenzial assistierender und universal handhabbarer Technologien. Die Entwicklung taktiler  Kommunikationsinterfaces ist daher nicht nur für Taubblinde interessant. Im Gegenteil: Die besondere Nutzergruppe Taubblinder kann Ausgangspunkt für weitere Innovationen sein, um z.B. auch älteren Menschen neue Zugänge zur vernetzten Gesellschaft zu ermöglichen.

Das Projekt erfolgt unter der Leitung von Tom Bieling, Doktorand am Design Research Lab (UdK), der in seiner Arbeit mit Prof. Dr. Gesche Joost zu Potenzialen an der Schnittstelle von Gestaltung und Behinderung forscht.

Ein kurzes Video zum Projekt „Interaktiv inklusiv“:  
http://tinyurl.com/nzx96zs

Sowie zum darin entstandenen Prototypen des „Lorm Gloves:
http://tinyurl.com/lkgg69e

Weitere Angaben zur Barrierefreiheit

Von einem digitalen Miteinander kann erst dann die Rede sein, wenn nicht nur digitale Eliten in Entscheidungs- und Beschaffungsprozesse (z.B. rund um Bildung, Wissen oder Politik) involviert werden. Das betrifft die Schnittstellen zwischen digital und analog ebenso, wie die Verbindungen von lokalen und globalen Themenfeldern. Eines der Grundprinzipien von inklusiver Gesellschaft, zumal vor dem Hintergrund der globalen demografischen Entwicklung, liegt in der barrierefreien Gestaltung ihrer Zugänge. Das Projekt „Interaktiv inklusiv – Taubblind ans Netz“ verfolgt den Ansatz, nicht nur Zugänge inklusiv zu gestalten, sondern (durch die partizipative Arbeit mit Taubblinden) Inklusion selbst als Ausgangspunkt für Innovation zu verstehen.

Kontakt

Tom Bieling
Design Research Lab (Universität der Künste, Berlin)
E-Mail tom.bieling@udk-berlin.de
https://www.youtube.com/watch?v=e1kUfLnDFIA

Adresse

Einsteinufer 43
10587 Berlin

Erstellt am 12.12.2014 von Design Research Lab

Die Inhalte dieses Projekts stammen von einem Verantwortlichen.

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